FISI-Praxisfälle
Kundenaufträge vom Befund über Konfiguration und Fehlersuche bis zu Tests, Wirtschaftlichkeit und Übergabe bearbeiten.
Ein vollständiger Arbeitsauftrag
Beginne mit Ausgangssituation, Ziel, Einschränkungen und messbaren Abnahmekriterien. Trenne Beobachtung und Vermutung: "DNS-Anfrage läuft in einen Timeout" ist ein Befund, "der Server ist kaputt" zunächst eine Hypothese. Wähle Änderungen so, dass ihre Wirkung nachvollziehbar bleibt. Plane einen Rückweg für Konfigurationsänderungen und prüfe Auswirkungen auf bestehende Nutzer. Nach der Umsetzung gehören Funktionstests, negative Berechtigungstests und dokumentierte Übergabe zum Auftrag.
Fall 1: Einen neuen Standort anbinden
Eine Schule benötigt getrennte Netze für Verwaltung, Unterricht und Gäste. Dimensioniere Subnetze aus Hostbedarf und Reserve; dokumentiere VLAN-ID, Präfix, Gateway, DHCP-Bereich und DNS. Ein VLAN allein verhindert nicht automatisch Verkehr zwischen Netzen: Die Router- oder Firewall-Regeln müssen die gewünschten Beziehungen erzwingen. Prüfe Trunks, erlaubte VLANs und native VLANs an beiden Enden. Gäste dürfen zum Internet, nicht zu Verwaltungsservern. Teste die erlaubten und gesperrten Wege auch bei IPv6.
VLAN 10 Verwaltung: 192.168.10.0/26 Gateway: 192.168.10.1 DHCP: .10 bis .50 Reservierungen und statische Serveradressen dürfen nicht im dynamischen Pool kollidieren.
Fall 2: Namensauflösung wiederherstellen
Ein Client erreicht einen Webserver über seine IP, aber nicht über dessen Namen. Untersuche zuerst die konfigurierte DNS-Adresse und frage den vorgesehenen Resolver gezielt ab. Vergleiche A- und AAAA-Einträge, Antwortstatus und gegebenenfalls den Suchsuffix. Ein erfolgreicher ping auf eine IP beweist keine funktionierende DNS-Auflösung. Prüfe DNS sowohl über UDP als auch TCP, falls Antworten, Transfers oder Fallback das benötigen. Dokumentiere Cache und TTL; das Leeren eines Caches ersetzt keine Reparatur am fehlerhaften Datensatz.
Client-DNS: 192.168.10.2 nslookup portal.schule.example 192.168.10.2 Befund: NXDOMAIN → Name nicht vorhanden; Timeout → keine rechtzeitige Antwort, Ursache weiter eingrenzen.
Fall 3: DHCP und Routing eingrenzen
Eine automatisch konfigurierte IPv4-Link-Local-Adresse kann ein Hinweis auf fehlende DHCP-Kommunikation sein. Prüfe Link, VLAN, Scope, freie Adressen und gegebenenfalls DHCP-Relay, bevor du eine feste Adresse als vermeintliche Reparatur setzt. Ein korrekt adressierter Client braucht für entfernte Netze ein erreichbares Gateway. Vergleiche Routentabellen auf Hin- und Rückweg. Longest Prefix Match wählt zuerst die spezifischste passende Route, nicht pauschal die kleinste Metrik über alle Routen.
Fall 4: Dateiablage mit passenden Rechten
Leite Gruppen aus Rollen ab, statt einzelne Benutzer überall direkt zu berechtigen. Dokumentiere Leserechte, Schreibrechte und Verwaltung getrennt. Bei Windows-Dateifreigaben wirken Freigabe- und Dateisystemberechtigungen gemeinsam; prüfe den effektiven Zugriff mit dem richtigen Benutzerkontext. Gruppenmitgliedschaft und Aktualisierung des Anmeldetokens spielen ebenfalls eine Rolle. Eine Organisationseinheit ist nicht automatisch eine Berechtigungsgruppe. Teste erlaubte Zugriffe und den ausdrücklich unerlaubten Zugriff einer anderen Abteilung.
Fall 5: Linux-Dienst nach einer Änderung
Prüfe Dienststatus, Konfigurationssyntax und Logs. Ein gestarteter Prozess beweist noch keinen erreichbaren Dienst: Kontrolliere lauschende Adresse und Port, Firewall, DNS sowie die tatsächliche Anwendungsantwort. Eine Bindung nur an 127.0.0.1 ist von anderen Geräten nicht erreichbar. Erweitere Dateirechte nicht pauschal auf 777, sondern überprüfe Benutzer, Gruppe und notwendige Zugriffe. Ein Syntaxcheck vor dem Reload reduziert Ausfälle; nicht jeder Dienst unterstützt Reload.
systemctl status nginx journalctl -u nginx --since "10 minutes ago" ss -ltn nginx -t # benötigt eine installierte Nginx-Umgebung und passende Leserechte
Fall 6: Sicherung tatsächlich wiederherstellen
Der Lernauftrag ist eine Wiederherstellung mit vorher festgelegtem RPO und RTO. RPO beschreibt den maximal tolerierten Datenverlust als Zeitspanne, RTO die angestrebte Wiederherstellungsdauer. Spiele eine Sicherung in einer getrennten Testumgebung ein, prüfe Datenintegrität und Anwendungsfunktion und messe die Zeit. Ein erfolgreiches Backup-Log oder ein RAID allein erfüllt den Auftrag nicht. Plane Berechtigungen, Verschlüsselungsschlüssel und Konsistenz bei laufenden Datenbanken. Das ist ein Lernfall und ändert keine Sicherungseinstellungen von FISIBase.
Fall 7: Zertifikat und HTTPS prüfen
Eine Zertifikatsprüfung umfasst Vertrauenskette, Gültigkeitszeitraum und passenden Namen in Subject Alternative Name. Ein abgelaufenes Zertifikat oder falscher Hostname wird durch Abschalten der Prüfung nicht repariert. Kontrolliere zusätzlich Systemzeit und den tatsächlich angesprochenen Endpunkt hinter einem Proxy. Plane Erneuerung und Überwachung rechtzeitig. HTTPS schützt den Transport; es erteilt keine Berechtigung zum Zugriff auf eine Datei.
Fall 8: Automatisierung sicher übergeben
Beschreibe zuerst den gewünschten Endzustand, etwa eine vorhandene Gruppe mit genau festgelegten Eigenschaften. Eine erneute Ausführung soll keine Dubletten anlegen oder korrekte Konfiguration zerstören. Trenne verändernde Schritte von Prüfungen, behandle Fehler explizit und verwende möglichst geringe Rechte. Ein Dry Run oder WhatIf muss vom jeweiligen Werkzeug tatsächlich unterstützt werden. Teste leere Eingaben, fehlende Rechte und Teilfehler; protokolliere Ergebnisse ohne Passwörter.
Fall 9: Kapazität und Wirtschaftlichkeit
Plane Speicher, CPU und RAM aus gemessenem Bedarf, Wachstum und Ausfallreserve. RAID-Kapazität ist noch kein nutzbarer Anwendungsspeicher: Dateisystem, Reserven und Snapshots verbrauchen ebenfalls Platz. Vergleiche Alternativen über denselben Zeitraum inklusive Lizenzen, Einrichtung, Energie und Wartung. Ein günstiger Kaufpreis kann bei hohem Betriebsaufwand schlechter sein. Ausschlusskriterien wie fehlende Wiederherstellbarkeit bleiben auch bei hoher Nutzwertpunktzahl Ausschlusskriterien.
Fall 10: Sicherheitsvorfall bearbeiten
Ein auffälliger Login ist ein Anlass zur Prüfung, aber noch kein sicherer Beweis eines Angriffs. Bewerte betroffene Identität, Zeitpunkt und Quelle. Befolge den vereinbarten Vorfallprozess, begrenze Auswirkungen und bewahre relevante Protokolle. Lösche nicht reflexartig alle Spuren. Nach Eindämmung und Ursachenanalyse folgen Wiederherstellung, Überprüfung und Verbesserung. Kommunikation gehört zum Ablauf: Zuständige Personen benötigen einen klaren Befund, Auswirkungen und nächste Schritte.
Abnahme, Dokumentation und Fachgespräch
Definiere für jeden Test Ausgangslage, Handlung, erwartetes und tatsächliches Ergebnis. Teste Nutzung aus Sicht einer berechtigten und einer unberechtigten Person sowie Fehlerfälle und Wiederanlauf. Dokumentiere Konfiguration, Abhängigkeiten, Zuständigkeiten, Rückweg und Betriebsanleitung. Begründe im Fachgespräch deine Auswahl, Grenzen und Wirtschaftlichkeit. Ein bestandener Fragenfall ist eine Vorbereitung auf diese Arbeit; er ersetzt keine praktische Durchführung in einer eigenen Laborumgebung.